{"id":769,"date":"2019-05-21T14:28:59","date_gmt":"2019-05-21T12:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/sehnsuchtsmuseum.de\/schau\/?page_id=769"},"modified":"2021-09-11T15:43:06","modified_gmt":"2021-09-11T13:43:06","slug":"museen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/sehnsuchtsmuseum.de\/schau\/katalog-3\/museen\/","title":{"rendered":"Museen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns alignwide is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"http:\/\/sehnsuchtsmuseum.de\/schau\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/INSK0153_Fensterschrift-1024x680.jpg\" alt=\"Sehnsuchtsmuseum \u2013 Interim I [Leipzig, 2016]\" class=\"wp-image-708\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Museen sind besondere Orte. Es sind Orte der Begegnung mit fremder und eigener Kultur, mit Geschichte und Wissenschaft, mit Bekanntem und Unbekannten und im besten Fall mit Menschen \u00e4hnlicher Interessen.<br>In der Vergangenheit dienten sie der Zurschaustellung von f\u00fcrstlichem oder b\u00fcrgerlichem Reichtum und diverser Sammelleidenschaften, sp\u00e4ter der Vermittlung von Wissen, Bildung und Kultur. In der Folge fand schlie\u00dflich die Forschung zunehmend Platz unter den Museumsd\u00e4chern. Von den Schatz- und Wunderkammern bis zu den heutigen themenspezifischen Museen hat sich eines erhalten: Museen haben f\u00fcr ihre Betreiber einen nicht zu untersch\u00e4tzenden repr\u00e4sentativen Charakter. Nicht umsonst beauftragen L\u00e4nder und Kommunen, sofern sie es sich leisten k\u00f6nnen, f\u00fcr Museumsneubauten angesehene Architekten, subventionieren ihre Museen oft gro\u00dfz\u00fcgig aus dem meist schmalen Kulturetat und stehen untereinander im permanenten Wettbewerb um \u00f6ffentliche Wahrnehmung und Reputation.<br>Die thematische Spannbreite ist mittlerweile grenzenlos. Von historischen Sammlungen bis hin zu zeitgen\u00f6ssischen Haushaltsger\u00e4ten, von bildender Kunst aller Epochen bis zu landwirtschaftlichem Ger\u00e4t \u2013 f\u00fcr jedes Interessengebiet findet man irgendwo ein Museum. Eine bemerkenswerte Eigenart der musealen Pr\u00e4sentation ist es, dass sie die Exponate unabh\u00e4ngig von ihrem materiellen Wert auf seltsame Weise erh\u00f6ht. Eine Zahnb\u00fcrste im musealen Kontext umweht automatisch eine Aura des Besonderen, w\u00e4hrend ihre Zwillingsschwester im Badezimmer das ihr eigentlich zugedachte Schattendasein als Hilfsmittel zur K\u00f6rperpflege f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen K\u00fcnstler ist der Auftritt in einem Museum zumeist f\u00f6rderlich f\u00fcr seine Karriere, vorausgesetzt, er ist noch am Leben. Andererseits kann dies jedoch auch bedeuten, dass die eigene Musealit\u00e4t f\u00fcr ihn zum Problem werden kann.<br>Mit der Pr\u00e4senz in einer musealen Sammlung ist das angekaufte Werk Teil des kulturellen Erbes \u2013 gerade dieser (und vermutlich nur dieser) Ausschnitt des eigenen Schaffens wird der Nachwelt exemplarisch erhalten bleiben und die Sicht auf das Gesamtwerk pr\u00e4gen, vielleicht aber auch verstellen.<br>Die meisten K\u00fcnstler kennen dieses Problem nicht. Die zeitgen\u00f6ssische Museumslandschaft ist personell und ideologisch eng verzahnt mit dem Kunstmarkt, was bedeutet, dass die Magazine nur einer verschwindend kleinen, \u2013 nicht nur, aber in erster Linie nach \u00f6konomischen Gesichtspunkten \u2013 vom Kunstbetrieb auserw\u00e4hlten Elite offen stehen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichwohl haben Museen schon immer K\u00fcnstler fasziniert und inspiriert. So verwundert es nicht, dass das Sammeln selbst zu einer Art Kunstform werden konnte. Die zeitgen\u00f6ssische Kunst bietet daf\u00fcr zahlreiche Beispiele. Das Prinzip Sammlung pr\u00e4gt in Installationen, thematischen Werken oder Werkgruppen das Bild vieler zeitgen\u00f6ssischer Ausstellungen, manches wird in Buchform pr\u00e4sentiert oder findet sich in neuen Kontexten wieder. Auch hier stellt sich das Ph\u00e4nomen ein, dass die gesammelten Objekte durch die k\u00fcnstlerische Intervention auf eine neue Bedeutungsebene gehoben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders deutlich wird dies in K\u00fcnstlermuseen, einer noch recht jungen Sparte der Kunstgeschichte. Die Idee, als K\u00fcnstler ein Museum zu gr\u00fcnden \u2013 nicht in erster Linie zur Pr\u00e4sentation eigener Werke, sondern zur Vermittlung von Inhalten \u2013 ist eigentlich recht naheliegend. Gleichwohl sind Museen, die sich exklusiv als k\u00fcnstlerische Arbeit verstehen, nach wie vor eher selten. In der Regel haben solche Museen einen deutlichen narrativen Ansatz. Abh\u00e4ngig von den jeweiligen ideellen und k\u00fcnstlerischen Kontexten pr\u00e4sentieren sie Artefakte, die wahre oder erfundene Geschichten erz\u00e4hlen. Durch die museale Form zielen sie einerseits auf die Neugier, aber in besonderem Ma\u00dfe auch auf die Stimmungen und Gef\u00fchle der Besucher ab. Im Gegensatz zu klassischen Museen ist dabei ein Erkenntnisgewinn im bildungsb\u00fcrgerlichen Sinne nicht zwingend das Ziel der Pr\u00e4sentation. Im K\u00fcnstlermuseum entkoppeln sich die Bedeutungen der einzelnen Exponate von ihren (im wahrsten Sinne des Wortes objektiven) Inhalten und verweben sich erst im Zusammenspiel zu einer k\u00fcnstlerischen Gesamtaussage. Dadurch entsteht die M\u00f6glichkeit, auch Immaterielles wie W\u00fcnsche, Visionen, Utopien oder Gef\u00fchle in den Fokus der inhaltlichen Auseinandersetzung zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies gilt in besonderem Ma\u00dfe f\u00fcr Inka Perls Sehnsuchtsmuseum. Diese sich st\u00e4ndig erweiternde Sammlung eigener und gefundener Artefakte ist weit mehr als der Versuch der K\u00fcnstlerin, die eigene Befindlichkeit zu spiegeln und zu hinterfragen. Mit ihrer unverwechselbaren \u00c4sthetik gelingt es ihr, ein universelles Thema zu visualisieren und f\u00fcr den Besucher R\u00e4ume der Inspiration und Kontemplation zu schaffen. Es ist Installation, Performance und real life in einem \u2013 inspirierend f\u00fcr alle, die im allt\u00e4glichen Kampf um wahres oder vermeintliches Gl\u00fcck menschliches Gef\u00fchl bewahrt haben. All denen \u2013 und nat\u00fcrlich der K\u00fcnstlerin \u2013 ist zu w\u00fcnschen, dass dem Sehnsuchtsmuseum dessen bisheriger Status des Ver\u00e4nderlichen und Tempor\u00e4ren im Inneren erhalten bleibt, sich aber bald schon auch als immobile Institution manifestieren kann.<br><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Carsten Busse <br>K\u00fcnstler und Kurator, Leipzig<\/h5>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Museen sind besondere Orte. 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